Tuberkulose beim Rind
Die weltweit verbreitete Tuberkulose beim Rind wird durch das Bakterium Mycobacterium bovis (M. bovis) verursacht. Sie kann vom Rind auf den Menschen übertragen werden und zählt somit zu den Zoonosen. Infektionen des Menschen mit M. bovis kommen in Deutschland heute nur noch selten vor – ca. 1% der Tuberkulosefälle -, können im Einzelfall aber einen ähnlich schweren Verlauf nehmen wie die Infektion mit M. tuberculosis, dem Erreger der Tuberkulose des Menschen. Tuberkulose kann auch vom Mensch auf das Rind übertragen werden (Anthropozoonose).
Die Krankheit verläuft beim Rind oft lange Zeit symptomlos. Wenn klinische Symptome auftreten, sind diese meist unspezifisch (chronischer Husten, Abmagerung). Infizierte Rinder scheiden M. bovis schubweise und / oder in geringen Mengen aus, so dass der Erregernachweis schwierig ist. Die exakte Diagnose beim Tier erfolgt daher oft erst nach seinem Tod bei der amtlichen Fleischuntersuchung am Schlachthof oder bei der Untersuchung verendeter Tiere durch die Untersuchungsämter der Bundesländer. Fallen für Tuberkulose charakteristische Lymphknoten- oder Organveränderungen auf, informiert die untersuchende Landeseinrichtung das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut. Dieses führt gezielte Untersuchungen zur Abklärung des Infektionsverdachts durch. Außerdem muss bei Verdachtsfällen der Amtstierarzt informiert werden.
Die Erkrankung kann über den Handel und Transport infizierter Tiere verbreitet werden. Haustiere wie Hunde und Katzen, die Zugang zu Rindern haben, können den Erreger ebenfalls verbreiten. M. bovis kann außer beim Rind bei Schaf, Ziege, Pferd, Hund und Katze, verschiedenen Zootierarten und Wild zur Tuberkulose führen.
Deutschland ist seit 1. Januar 1997 anerkannt frei von Rindertuberkulose (EU Entscheidung 97/76/EG). Nach der Definition der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE (Office International des Epizooties) bedeutet dies, dass mehr als 99,8% der Rinderbestände seit 10 Jahren amtlich anerkannt frei von Tuberkulose sind und sich mehr als 99,9% der Rinder in diesen Beständen befinden. Auf Grund dieses Status wurden die turnusmäßigen flächendeckenden Tuberkulintests der Rinder eingestellt und die Überwachung auf die amtliche Fleischuntersuchung reduziert. Jedes Jahr treten vereinzelt Fälle von Tuberkulose auf, die insgesamt aber weit unter der Toleranzgrenze von 0,2% der Gesamtbestände liegen.
In Deutschland wurden im Frühjahr 2008 mehrere Fälle von Tuberkulose in Rinderbeständen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen bekannt, die alle im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchung und anschließender epidemiologischer Untersuchungen entdeckt wurden.
