FLI

Schmallenberg-Virus

Aktuelle Informationen zum Schmallenberg-Virus

Stand: 24. März 2014

Fallzahlen und Karte werden aktualisiert, sobald neue Fälle gemeldet werden.

In Deutschland wurde SBV seit Anfang 2012 bei Tieren aus insgesamt 2504 Betrieben festgestellt. Betroffen sind 1478 Rinder-, 973 Schaf- und 53 Ziegenhaltungen. Die Fälle traten in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (295 Rinder-, 276 Schaf-, 14 Ziegenhaltungen), Niedersachsen (235 Rinder-, 147 Schaf-, 6 Ziegenhaltungen), Hessen (125 Rinder-, 142 Schaf-, 11 Ziegenhaltungen), Schleswig-Holstein (115 Rinder-, 110 Schafhaltungen, 1 Ziegenhaltung), Rheinland-Pfalz (1 Bisonhaltung, 52 Rinder-, 40 Schaf-, 5 Ziegenhaltungen), Baden-Württemberg (70 Rinder-, 40 Schaf-, 7 Ziegenhaltungen), Brandenburg (26 Rinder-, 25 Schafhaltungen), Thüringen (35 Rinder-, 53 Schaf-, 2 Ziegenhaltungen), Sachsen-Anhalt (19 Rinder-, 23 Schaf-, 3 Ziegenhaltungen), Hamburg (3 Rinder-, 6 Schafhaltungen), Bayern (466 Rinder-, 48 Schafhaltungen, 1 Ziegenhaltung), Sachsen (18 Rinder-, 44 Schafhaltungen), Mecklenburg-Vorpommern (17 Rinder-, 14 Schafhal-tungen, 1 Ziegenhaltung), im Saarland (1 Rinderhaltung, 4 Schaf-, 2 Ziegenhaltungen) und in Berlin (1 Schafhaltung) auf.

Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus wurden seit seinem ersten Auftreten Ende 2011 in einer ganzen Reihe von Staaten in Europa festgestellt, u. a. in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Irland, Frankreich, Luxemburg, Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden, Polen, Italien, Spanien, Österreich und der Schweiz .

 

Tabelle: Bestätigte Fallzahlen über betroffene Bestände, 24. März 2014, 12.00 Uhr; Quelle: TSN
Bundesland Rind Schaf Ziege Gesamt
Schleswig-Holstein 115 110 1 226
Hamburg 3 6   9
Niedersachsen 235 147 6 388
Nordrhein-Westfalen 295 276 14 585
Hessen 125 142 11 278
Rheinland-Pfalz 53 (davon 1 Bison) 40 5 98
Baden-Württemberg 70 40 7 117
Bayern 466 48 1 515
Saarland 1 4 2 7
Berlin   1   1
Brandenburg 26 25   51
Mecklenburg-Vorpommern 17 14 1 32
Sachsen 18 44   62
Sachsen-Anhalt 19 23 3 45
Thüringen 35 53 2 90
Gesamt 1478 973 53 2504

Im November 2011 stellte das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), erstmals das Auftreten eines Virus des Genus Orthobunyavirus bei Rindern in Deutschland fest. Vergleichende Analysen des Erbmaterials ergaben, dass es sich um ein Virus aus der Simbu-Serogruppe (Vertreter sind z.B. Sathuperi,- Shamonda-, Aino- undAkabane-Viren) handelte. Das Virus konnte isoliert, angezüchtet und weiter vermehrt werden. Aufgrund der Probenherkunft wurde es als Schmallenberg-Virus (SBV) bezeichnet. Weitere Untersuchungen zeigten, dass es zur Spezies Sathuperi-Virus gehört und keine Reassortante (durch Austausch von Erbmaterial von zwei oder mehreren Viren neue entstandenes Virus) ist. Die Herkunft des Schmallenberg Virus ist nach wie vor unklar.

Das FLI entwickelte eine entsprechende Nachweismethode (real-time RT-PCR), die an die Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer sowie u. a. an Institutionen in Belgien, Frankreich, England, den Niederlanden, Italien und in der Schweiz weitergegeben wurde. Mittlerweile steht außerdem ein zugelassenes Testsystem für den Antikörpernachweis zur Verfügung. Verschiedene Forschungsgruppen entwickelten Prototypen für inaktivierte Impfstoffe, von denen bisher allerdings noch keiner zugelassen wurde.

Simbuviren sind in Australien, Asien und Afrika verbreitet und rufen dort in der Regel zunächst nur eine sehr milde Klinik hervor. Diese kann jedoch für einige Tage zu Problemen durch Milchrückgang, Fieber etc. führen Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert zum Teil erhebliche kongenitale Schäden, Frühgeburten und Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen auftreten. Die Missbildungen sind eine Spätfolge der Infektion zu einem früheren Stadium der Trächtigkeit. Das Virus ist nur für relativ kurze Zeit im Blut infizierter ausgewachsener Tiere nachzuweisen. Einmal infizierte Tiere bilden einen Immunschutz aus und sind nach bisherigen Untersuchungen vor einer erneuten Infektion geschützt. Wie lange dieser Immunschutz hält ist noch nicht bekannt.

Nach den bisherigen Beobachtungen verläuft eine Infektion mit SBV im Schaf effizienter als im Rind. Bei Schafen wurde das Schmallenberg-Virus bisher hauptsächlich bei missgebildeten Lämmern im Gehirn festgestellt.

Simbu-Viren werden hauptsächlich durch Gnitzen (blutsaugende Mücken) übertragen. Mit dem Schmallenberg-Virus infizierte Gnitzen wurden bisher in Belgien, Dänemark, Deutschland, Italien und Norwegen nachgewiesen.

Diese beim Rind relevanten Viren stellen kein Risiko für den Menschen dar. Es handelt sich nicht um Zoonoseerreger. Aufgrund der Verwandtschaft des Schmallenberg-Virus zu Sathuperi-, Shamonda-, Aino- und Akabane-Virus ist auch hier nicht von einem Risiko für den Menschen auszugehen (siehe auch Risikobewertung des European Center for Disease Prevention and Control). Zudem ergaben Untersuchungen des Robert Koch-Instituts bei Personen, die engen Kontakt zu infizierten Tieren, insbesondere Schafen, hatten keine Hinweise auf humane Infektionen (siehe auch Informationen des Robert Koch-Instituts).

 

Factsheet

FAQs

Karte zur Verbreitung des "Schmallenberg-Virus" seit 1.1.2014 in Deutschland

Kartenarchive

Publikationen

Wernike K, Nikolin VM, Hechinger S, Hoffmann B, Beer M. Inactivated Schmallenberg virus prototype vaccines. Vaccine. 2013 May
DOI: 10.1016/j.vaccine.2013.05.062 [Epub ahead of print]

Goller KV, Höper D, Schirrmeier H, Mettenleiter TC, Beer M.
Schmallenberg virus as possible ancestor of Shamonda virus. Emerg Infect Dis. 2012 Oct.
DOI: 10.3201/eid1810.120835

Hoffmann B, Scheuch M, Höper D, Jungblut R, Holsteg M, Schirrmeier H, et al. Novel orthobunyavirus in cattle, Europe, 2011. Emerg Infect Dis. 2012 Mar.
DOI: 10.3201/eid1803.111905 

Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts zum Download

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