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Detailansicht
Räumlich-zeitliche Analysen zur Epidemiologie des Kleinen Fuchsbandwurms Echinococcus multilocularis
Einrichtung:
Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI)
Institut / Abteilung:
Institut für Epidemiologie (IfE),
Beschreibung / Ziel (dt.):
Durchführung von epidemiologischen Analysen, mit denen sich das Ausbreitungsverhalten des Kleinen Fuchsbandwurms Echinococcus multilocularis in Raum und Zeit bewerten und das Gefährungspotenzial für den Menschen abschätzen lässt
Ergebnis (dt.)
Infektionen von Menschen mit dem Larvenstadium des Kleinen Fuchsbandwurms E. multilocularis gelten in Mitteleuropa als die gefährlichste parasitär bedingte Zoonose. Die Alveoläre Echinokokkose (AE) ist seit dem 1. Januar 2001 nicht-namentlich meldepflichtig (Infektionsschutzgesetz). Infektionen bei Tieren mit Echinococcus spp. sind seit 9. November 2004 (Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten) meldepflichtig. Der Parasit hat einen obligaten Wirtwechselzyklus. Infizierte Endwirte (Canidae, auch Felidae; in Europa vor allem der Fuchs) beherbergen wenige bis zu mehreren 100.000 geschlechtsreife, 1-3 mm kleinen Bandwürmer im Dünndarm und scheiden die auch für den Menschen infektiösen Eier mit der Losung aus. Diese bleibt über Monate an der bodennah wachsenden Vegetation infektionsfähig. Natürliche Zwischenwirte sind Nager, die sich durch orale Aufnahme der Eier infizieren und das Larvenstadium in nahezu allen Fällen in der Leber beherbergen. Der Lebenszyklus schließt sich über die Räuber-Beute-Beziehung der End- und Zwischenwirte. Der Mensch infiziert sich als Fehl-Zwischenwirt. Es ist erst seit etwa 10 Jahren bekannt, dass dieser Parasit bundesweit bei Füchsen vorkommt. Hinweise auf eine deutliche Zunahme von infizierten Füchsen (absolut und/oder relativ) verdichten sich seit einigen Jahren. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies zu einem erhöhten Infektionsrisiko bei Menschen führt, das jedoch aufgrund der langen Inkubationszeit (5 ? 15 Jahre) erst mit jahrelanger Zeitverzögerung zu einem Anstieg der Erkrankungszahlen führen würde. Im Vorsorgeprinzip ist daher von einem solchen Zusammenhang auszugehen. Als potentielles Frühwarnsystem ist die Überwachung und Analyse der epidemiologischen Situation in der Fuchspopulation von großer Bedeutung. Eine möglichst genaue Kenntnis der zeitlichen und räumlichen Dynamik dieser Parasitose im natürlichen Lebensraum sowie der sie beeinflussenden Faktoren ist die unverzichtbare Grundlage für räumliche und zeitliche Risikobewertungen einschließlich Prüfung von Präventions- und Interventionsstrategien. Auch Modelle zu Risikovorhersagen sind denkbar. Ein völlig neuer Aspekt ist die Zuwanderung und Etablierung einer neuen Endwirtpopulation, bestehend aus dem Marderhund, im Osten des Landes. Epidemiologische Analysen bei so heterogen verteilten Infektionen in Wildtierpopulationen, insbesondere bei Wirtswechselzyklen, sind sehr anspruchsvolles epidemiologisches Neuland. Daher ist dies auch ein Modellprojekt über die Erreger - orientierte Fragestellung hinaus. Zur Bearbeitung dieser Aufgabe muss eine geeignete Datenbasis (Datum und digitalisierter Ort der Streckung, diagnostischer Befund, andere epidemiologisch relevante Informationen, Stichprobendichte) geschaffen und über längere Zeiträume fortgeschrieben werden. Eigene Untersuchungen gestreckter Füchse, zunehmend auch Marderhunde (Einsendungen durch Unterstützung aus verschiedenen anderen Projekten) bilden den belastbaren Daten-Kernbereich, daneben wurden in Kooperation auch andere Datenbasen für dieses Projekt nutzbar gemacht und eingebunden. Das schließt auch die Evaluierung und Harmonisierung der diagnostischen Methoden ein sowie die Prüfung, ob mit im Freiland gesammelten Losungsproben die regionale epidemiologische Situation überwacht werden kann. Zur Verarbeitung dieser Daten wurden neue epidemiologische Analysekonzepte, auch unter Einbeziehung Geographischer Informationssysteme, entwickelt und evaluiert. Auf diesem Weg konnten Risikohabitatfaktoren für den Fuchs im Nordwesten Brandenburgs beschrieben werden. Die Prüfung ihrer Gültigkeit auch außerhalb dieser Region ist weiter Schwerpunkt. Die Restitution dieses Endemiegebietes nach Interventionsmaßnahmen im wurde analysiert und gezeigt, dass Infektionen von Hunden und Katzen in der Region keine Rolle spielen. Darüber hinaus gelang der Nachweis einer deutlichen zeitlichen und räumlichen Dynamik dieser Parasitose bei Füchsen in Thüringen, einschließlich einer deutlichen Ausweitung hochendemischer Regionen. Weitere Untersuchungen konzentrierten sich auf die Frage nach Konsequenzen der Zuwanderung und Etablierung des Marderhundes für die epidemiologische Situation und die Expositionsverhältnisse für den Menschen.
Internetadresse
Wissenschaftler
Tackmann, K.; Conraths, F.J.
Mitwirkende Institutionen
UFZ Halle/Leipzig GmbH
Bezug: BMELV-Forschungsplan 2008
Die Forschungsaktivität leistet
Hauptbeitrag zur Hauptaufgabe
2.15: Untersuchungen zur Prävention und Bekämpfung von Tierkrankheiten sowie den wirtschaftlichen Folgen von Tierseuchen
Nebenbeiträge für Hauptaufgaben:
5.8:
Entwicklung von Modellen zur Risikoanalyse für Tierseuchen- und Zoonoseerreger sowie Risikobewertung und -kommunikation für Tierseuchen und Zoonosen
Beginn: 1 / 2001
Ende: 12 / 2012
Daueraufgabe: Ja
Status: laufend
Es handelt sich um kein Drittmittelprojekt!
