Nationales Referenzlabor für Henipaviren
Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger
Anne Balkema-Buschmann, Martin Eiden, Ariel Vina Rodriguez, Martin H. Groschup
Infektionen mit dem Hendra-Virus und dem Nipah-Virus (Henipaviren) wurden in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals als Ursachen für respiratorische und neurologische Erkrankungen identifiziert, die bei einer Reihe von Tierspezies auftraten. Das Hendra-Virus verursachte 1994 erstmals schwere Atemwegserkrankungen bei Pferden, in dessen zunächst Verlauf 14 Pferde und der Trainer dieser Pferde in Brisbaine, Australien, starben. Insgesamt wurden bisher sieben Menschen durch Kontakt zu infizierten Pferden infiziert (Trainer und Tierärzte), wovon vier Infektionen tödlich verliefen.
Zwischen September 1998 und April 1999 verbreitete sich das Nipah-Virus unerkannt als Auslöser eine respiratorische und enzephalitischen Infektion bei Schweinen in Malaysia und manifestierte sich dann als fatale Enzephalitis bei Menschen. Mehr als eine Million Schweine wurden im Rahmen der nun folgenden Bekämpfungsmaßnahmen gekeult. Mehr als 400 Fälle von Nipah-Virus-Infektionen beim Menschen sind bisher bekannt geworden, von denen etwa 200 Menschen in Malaysia, Singapur, Bangladesch und Indien verstorben sind. Flughunde (Fruchtfledermäuse) der Gattung Pteroptus sind die natürlichen Wirte beider Viren.
Um mögliche Einsendungen von Proben von Exporttieren oder infektionsverdächtigen Tieren bearbeiten zu können, wurde am nationalen Referenzlabor ein real-time RT-PCR-Protokoll (Wang et al., 2001) etabliert, welches dem Nachweis des N-Gens dient. Des weiteren wurde eine Kooperation mit dem australischen Referenzlabor für Hendra-Erkrankungen initiiert. In diesem Rahmen wurde dem deutschen nationalen Referenzlabor ein ELISA-Testverfahren zur Verfügung gestellt, um den diagnostischen Nachweis von Antikörpern gegen das Hendra-Virus bei für den Export in bestimmte Regionen bestimmten Pferden oder bei infektionsverdächtigen Pferden bestimmen zu können.
Diagnostische Einsendungen wurden im Jahr 2009 nicht bearbeitet, da die etablierten Methoden bisher nicht anhand eines repräsentativen Sets an Pferde- oder Schweine-Seren validiert werden konnte. Das nationale Referenzlabor wurde im Jahr 2009 in zwei Fällen kontaktiert, in dem bei für den Export nach Thailand bestimmten Rennpferden das Vorhandensein von Hendravirus-spezifischen Antikörpern ausgeschlossen werden sollte. Nach Diskussion mit den zuständigen Behörden in Deutschland und Thailand wurde auf die Untersuchung verzichtet, da eine Infektion mit dem Hendra-Virus in der Europäischen Union bisher nicht vorgekommen ist und die Seren zur Untersuchung an das australische Referenzlabor geschickt werden müssten. Sobald die diagnostischen Methoden hinreichend validiert werden konnten, werden solche Untersuchungen am FLI durchgeführt werden können.
