Nationales Referenzlabor für Q-Fieber
Institut für Epidemiologie
Unter der Bezeichnung Q-Fieber (Coxiellose) werden Infektionen mit dem Bakterium Coxiella burnetii verstanden. Die Krankheitserscheinungen beim Tier sind meistens gering. Seine Hauptbedeutung hat der Erreger als Auslöser vom Unfruchtbarkeit und Aborten beim Wiederkäuer sowie als Zoonoseerreger. Beim Menschen verursacht der Q-Fieber-Erreger grippenähnliche Erkrankungen, wodurch möglicherweise nicht alle Fälle entdeckt werden. Die Anzahl der gemeldeten humanen Q-Fieber-Fälle schwankt von Jahr zu Jahr. Das Reservoir für Coxiellen ist in erster Linie bei den Wiederkäuern zu suchen. Hier verursacht der Erreger vor allem Aborte. Während der Geburt werden große Mengen von Coxiellen ausgeschieden. Der Erreger wird des Weiteren auch über Milch, Kot und Urin ausgeschieden. Die Übertragung der Coxiellen erfolgt aerogen via Aerosol oder infiziertem Staub. Ein weiteres Reservoir für C. burnetii sind infizierte Zecken (Naturherde). Landwirte, Schäfer, Schafscherer sowie Tierärzte gehören zu dem besonders gefährdeten Personenkreis. Infektionen können aber auch entlang der Triebwege von Schafen auftreten. Ein Verdacht auf eine Q-Fieber-Infektion im Bestand besteht, wenn serologische oder milchserologische Untersuchungsergebnisse insbesondere im Zusammenhang mit einem klinischen Verdacht auf das Vorhandensein des Erregers hinweisen.
Leistungsübersicht
Zu den Aufgaben des Nationalen Referenzlabors für Q-Fieber gehören:
- Beteiligung an nationalen und internationalen Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten
- Forschungsarbeit zur Weiterentwicklung und Standardisierung der Q-Fieber-Diagnostik sowie zu Fragen der Pathogenese, Immunisierung und Epidemiologie
- Erhebung und Analyse epidemiologischer Daten
- Training in diagnostischen Methoden
- Koordinierung wiss. Studien mit anderen Laboratorien
- Publizieren und Verbreitung von Informationen
Methodenübersicht
- Zellkultureller Erregernachweis
- Genomnachweis mittels konventioneller PCR
- Serologischer Erregernachweis (ELISA)
Forschungsprojekte
- Erforschung der molekularen Pathogenese des Q-Fiebers und ihre Anwendung in der Diagnostik und Epidemiologie in Deutschland
Relevante Rechtsvorschriften
- Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in der jeweils geltenden Fassung
Weitere Forschungsthemen
Coxiellen und ihre Rolle als Zoonosenerreger
Henning, K. und Geue, L.
In den letzten Jahren kam es auf Grund von Infektionen mit Coxiellia burnetii vermehrt zu Erkrankungen bei Personen, wobei diese Infektionen besonders häufig von Schafen ausgingen (Zoonose). Coxiellen verursachen beim Menschen schwere grippeähnliche Erkrankungen, Pneumonien (atypische Pneumonie, Schlachthoffieber) sowie Endocarditiden. Wie bei den Chlamydien sind auch hier Landwirte und Tierärzte besonders betroffen. Darüber hinaus sind Schafhirten und –scherer sowie das Schlachhofpersonal gefährdet. Auch wurden mehrfach Erkrankungen entlang der Triebwege von Wanderschafen beobachtet.
Seine Bedeutung hat Coxiella burnetii insbesondere als Aborterreger bei Wiederkäuern. Besonders reichlich ist der Erreger im Fruchtwasser, in den Nachgeburten und den Lochien enthalten, ist aber auch im Kot, Urin und in der Milch zu finden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt aerogen über eine Tröpfcheninfektion oder durch Aufnahme von infiziertem Staub. Ferner werden Coxiellen auch durch Zecken übertragen.
Q-Fieber Epidemien werden besonders häufig aus den südlichen Bundesländern, z.B. Baden-Württemberg, gemeldet. Aber auch aus anderen Bundesländern sind Q-Fieber-Epidemien bekannt. Im Landkreis Soest, Nordrhein-Westfalen, wurden Ende Mai/Anfang Juni 2003 gehäuft Fälle von atypischer Pneumonie beobachtet. Hierbei wurden über 70 Menschen in die regionalen Krankenhäuser aufgenommen. Aufgrund der Anamnese ergab sich ein Zusammenhang der Erkrankungen mit dem Besuch eines Bauernmarktes in Bad Sassendorf bzw. sonstiger Kontakte zu Schafen, so dass als Verdachtsdiagnose Q-Fieber in Betracht gezogen wurde. Diese Verdachtsdiagnose wurde später durch labordiagnostische Untersuchungen (Serologie, Erregernachweis) bestätigt.
Coxiella burnetii und Borrelia burgdorferi sensu lato in Zecken aus Moldavien und Deutschland
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zoologie, Chisinau, Moldawien (Förderer: BMBF; MD 10/001)
In den letzten Jahren gewinnen die von Zecken übertragenen Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Diese Krankheitserreger können auf eine Vielzahl von Wirten übertragen werden, hierzu zählt der Mensch sowie Haus- und Wildtiere. Zu den bedeutendsten Erkrankungen, die Europa von Zecken übertragen werden, zählen das Q-Fieber sowie die Lyme-Borreliose. Das Q-Fieber wird durch die Rickettsie Coxiella burnetii ausgelöst, während die Lyme-Borreliose durch die Spirochäte Borrelia burgdorferi sensu lato verursacht wird. Die wichtigsten Vektoren für diese Erreger sind Zecken der Genera Ixodes und Dermacentor. Ziel der Studie ist, die Bedeutung dieser Zecken-Spezies für die Übertragung von Krankheiten in Deutschland und Moldawien näher zu bestimmen. Daher werden Zecken in Deutschland und Moldawien gesammelt und mit Hilfe der PCR und Zellkultur auf Coxiella burnetti, Borrelia burgdorferi sensu lato und Mischinfektionen mit diesen Pathogenen untersucht.
