Nationale Referenzlabore für Infektionen mit Brucella spec.
Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen
OIE und NRL für Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen
NRL für infektiöse Epididymitis
Die Brucellose ist eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch Bakterien der Gattung Brucella (B.). Da der Erreger vom Rind (B. abortus), vom Schwein (B. suis), vom Schaf und von der Ziege (B. melitensis) und in eingeschränktem Maße auch vom Hund (B. canis) auf den Menschen übertragen werden kann handelt es sich um eine Zoonose. Die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.
Erreger
Brucellen sind fakultativ intrazelluläre, gramnegative, unbewegliche, kokkoide bis kurze Stäbchenbakterien (0,5-0,7 x 0,6-1,5 µm). Der Genus Brucella umfaßt 8 phänotypisch unterscheidbare Spezies: B. abortus, B. suis, B. melitensis, B. canis, B. ovis, B. neotomae, Brucella cetaceae and Brucella pinnipediae. B. abortus, B. suis und B. melitensis sind die medizinisch wichtigsten Vertreter, die alle auch für den Menschen pathogen sind. Sie sind morphologisch nicht voneinander zu unterscheiden und lassen sich weiter in Biovaren unterteilen, deren Virulenz für die verschiedenen Wirte unterschiedlich ist.
Erkrankung beim Menschen
Für die Erkrankung beim Menschen existieren eine Reihe von Synonymen: Malta-Fieber, Mittelmeer-Fieber, Gibraltar-Fieber, Morbus Bang.
Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Tiere oder durch Aufnahme von lebensfähigen Erregern über Lebensmittel. Dabei stehen weniger das Fleisch, sondern in weit bedeutenderem Maße Rohmilchprodukte (Butter, Käse) als Übertragungsmedium im Mittelpunkt. Die Übertragung Mensch-zu-Mensch wurde bisher selten beobachtet. In Deutschland treten hauptsächlich im Ausland (v.a. Urlaubsaufenthalte in Mittelmeerländern) erworbene Lebensmittelinfektionen mit B. melitensis auf. Es besteht Meldepflicht nach Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (§7).
Die Inkubationszeit beim Menschen beträgt im Schnitt 2 Wochen, kann aber auch mehrere Monate umfassen. Die Erkrankung kann plötzlich beginnen und akut mit Schüttelfrost, Fieber, schwerem Kopfschmerz, anderen Schmerzen, Unwohlsein und manchmal Durchfall verlaufen. Oder sie beginnt allmählich mit leichtem vorausgehendem Unwohlsein, Muskel-, Kopf- und Nackenschmerzen gefolgt von einem abendlichen Temperaturanstieg. Die Temperatur ist am Morgen wieder normal. Dieses undulierende Fieber ist typisch für eine Brucellose beim Menschen. Die Phasen dauern bis zu 5 Wochen und werden von bis zu 2-wöchigen Remissionsabschnitten mit stark abgemilderten Symptomen unterbrochen. Bei chronischen Krankheitsverläufen kann es zu Komplikationen im Nervensystem und an inneren Organen kommen. Ein tödlicher Ausgang ist äußerst selten.
Erkrankung bei Tieren
Die Brucellose bei Wiederkäuern wird auch als enzootischer Abort bezeichnet, weil als Hauptsymptome Aborte, Frühgeburten oder die Geburt toter, lebensschwacher und unterentwickelter Tiere zu beobachten sind. Brucellen sind an bestimmte Hauptwirte angepasst. Neben den hier genannten sind viele Tierarten für eine Infektion mit verschiedenen Brucellenarten empfänglich. Die Erkrankung verläuft dann aber meist weniger schwer.
Rind: Der Erreger der Rinderbrucellose ist v.a. B. abortus. Es werden 7 Biovaren unterschieden, die eine variierende regionale Häufung aufweisen. In Europa dominieren die Biovaren 1-4.
Vor den häufig auftretenden Aborten verläuft die Infektion meist symptomlos. Im Anschluss kommt es oft zu Gelenkentzündungen, seltener zu klinisch auffälligen Euterentzündungen. Die Tiere bleiben Erregerausscheider. Beim Bullen werden Hoden und Nebenhodenentzündungen beobachtet. Eine Übertragung durch den Deckakt und das Sperma ist möglich. Die Rinderbrucellose verläuft im Bestand enzootisch. Sie stellt ein Risiko für die menschliche Gesundheit vor allem der Personen dar, die direkten Kontakt haben (Landwirte, Tierarzt, Schlachthofpersonal).
Infektionen mit B. abortus kommen selten bei anderen Tierarten vor (Schaf, Ziege, Schaf, Schwein). Ihr Auftreten ist meist mit Kontakt zu infizierten Rinderherden zu erklären.
Seit 1.7.1999 ist Deutschland von der EU als frei von Rinderbrucellose anerkannt. Die Bekämpfungsmaßnahmen einschließlich durchzuführender Untersuchungen von Blut- und Milchproben sind in der Verordnung zum Schutz gegen die Brucellose der Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen vom 28.10.1993 geregelt.
Schaf und Ziege: Die Schaf- und Ziegenbrucellose wird hauptsächlich durch B. melitensis mit seinen 3 Biovaren hervorgerufen. Die Symptome sind mit denen der Rinderbrucellose vergleichbar, wobei das Schaf als weniger empfänglich gilt, sodass es bei dieser Tierart beispielsweise weniger häufig zu Aborten kommt. In Europa tritt der Erreger vor allem im Mittelmeerraum auf. Er hat von allen Brucellen die höchste Virulenz für den Menschen. Vereinzelt auftretende Infektionen von Rindern, Fleischfressern und anderen Tieren enden blind. Deutschland ist von der EU als Schaf- und Ziegenbrucellose freier Staat anerkannt. Als rechtliche Grundlage ist die Richtlinie des Rates vom 28.2.1991 zur Regelung tierseuchenrechtlicher Fragen beim innergemeinschaftlichen Handelsverkehr mit Schafen und Ziegen (91/68/EWG) zu beachten.
Nur das Schaf kann sich mit B. ovis infizieren. Dieser Erreger kommt weltweit vor. Hauptsymptome sind ein- und beidseitige Nebenhodenentzündungen beim Bock einhergehend mit einer Verschlechterung der Spermaqualität. Das Bakterium wird beim Deckakt übertragen und kann beim Muttertier zu Aborten führen. Nach einer Nierenbesiedlung erfolgt die Ausscheidung über den Harn. Auch hier gelten Bestimmungen aus der Richtlinie 91/68/EWG.
Schweine: Der Haupterreger der Brucellose beim Schwein ist B. suis. Es werden 4 Biovaren unterschieden, von denen Biovar 2 nur in Europa vorkommt und die geringste Virulenz für den Menschen besitzt, während Biovar 1 weltweit und Biovar 3 vor allem in Nordamerika und Südostasien vorkommen und deutlich höhere Virulenzen für den Menschen besitzen.
Die Symptome beim Schwein ähneln denen bei Brucelleninfektionen anderer Tierarten. Zuerst ist ein gehäuftes Umrauschen der Sauen zu beobachten. Im weiteren Verlauf des enzootischen Geschehens im Schweinebestand kommt es vermehrt zu Aborten und zu Geburten lebensschwacher Ferkel. Beim Eber sind einseitige Hodenentzündungen zu verzeichnen. Er kann den Erreger beim Deckakt weitergeben. Entzündliche Veränderungen bis hin zur Ausbildung von Abszessen treten vor allem am Geschlechtsapparat auf. Sie können aber auch den Bewegungsapparat betreffen und zu Lahmheiten führen. Die Gefahr der Erregereinschleppung besteht in Europa besonders durch Wildschweine und Hasen.
Die Bekämpfung der Schweinebrucellose erfolgt nach den für die Rinderbrucellose geltenden Grundsätzen.
Hund: Hunde erkranken in erster Linie durch B. canis. Die Hauptsymptome entsprechen denen bei Brucelleninfektionen anderer Tierarten. Die Aufnahme des Erregers erfolgt meist oral. Aufgrund der geringeren Virulenz für den Menschen, verläuft eine mögliche Erkrankung bei diesem jedoch ausnahmslos mild.
Aufgaben des Referenzlabors
- Unterstützung der Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer v.a. bei der Abklärung unklarer Befunde (Probleme durch Kreuzreaktivität mit Yersinien)
- Erregernachweis und Differenzierung (mit bakteriologischen und molekularbiologischen Methoden)
- Optimierung der Diagnostik
- Durchführung von Ringversuchen
- Abgabe nicht kommerziell erhältlicher diagnostischer Reagenzien an die Untersuchungseinrichtungen
Besonderheiten
Das NRL ist auch für die Diagnostik von Einsendungen (Bakteriologie, Seologie) aus humanmedizinischen Einrichtungen zuständig.
Forschungsprojekt: Gefährdung durch absichtlichen Eintrag von humanpathogenen bakteriellen Erregern in die Lebensmittelerzeugungskette am Beispiel Brucellen
Laufzeit: 01/2008 – 06/2011
Mit dem Projekt soll die Relevanz möglicher Szenarien zur absichtlichen Einbringung von Brucellen in Tierbestände oder die Lebensmittelkette unter experimentellen Bedingungen untersucht werden. In diesem Zusammenhang soll das tatsächliche Gefährdungspotential hinsichtlich der notwendigen Erregermenge und deren Überlebens- und Vermehrungschancen unter den herrschenden Bedingungen überprüft werden.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit zwischen dem BfR und dem FLI durchgeführt.
