(Friedrich-Loeffler-Institut Stand 29. April 2009)
Ende April meldeten Mexiko und die USA auffällige Grippeerkrankungen bei Menschen, in deren Folge es in Mexiko auch zu Todesfällen kam. Es wurde eine Infektion mit Influenza A Virus vom Subtyp H1N1 festgestellt, das Ähnlichkeiten mit bei Schweinen vorkommenden Influenzaviren aufweist. Weitere Analysen des Virus ergaben, dass es sich jedoch um einen neuen Erreger handelt, der bei Schweinen bislang noch nie festgestellt wurde. Das Virusgenom umfasst Teile der Erbinformation von Influenzaviren des Typs A vom Schwein, Vogel und Mensch.
1. Was versteht man unter Schweine-Influenza?
Schweineinfluenza ist eine akute Infektionskrankheit der Atmungsorgane, die erstmals 1918 als eine neue Krankheit in Schweinebeständen des Mittleren Westens der USA beobachtet wurde.
Es handelt sich dabei um eine fieberhafte, akut verlaufende hochansteckende Viruserkrankung des Atemtrakts, die Schweine aller Altersgruppen betreffen kann. Nach Vermehrung des Erregers im Atmungstrakt wird das Virus über das Nasensekret ausgeschieden und auf den Weg über Kontakt von Schwein zu Schwein weiterverbreitet.
Die Erkrankung tritt regelmäßig in der kalten Jahreszeit auf. Die erkrankten Tiere haben Fieber (41-42°C), Husten, Atemnot, zeigen Reproduktionsstörungen und sind abgeschlagen. Die Inkubationszeit ist mit 1-3 Tagen relativ kurz. Die Erkrankungshäufigkeit kann bei nicht geimpften Tieren in einem Bestand bis zu 100% erreichen.
Bei normalem Verlauf der Infektion genesen die Tiere innerhalb von 4 -6 Tagen, wenn gute hygienische und konstitutionelle Verhältnisse vorliegen. Entwickeln infizierte Tiere eine Lungenentzündung mit Beteiligung bakterieller oder viraler Sekundärinfektionen, ist die Krankheitsdauer länger. Aber auch in diesen Fällen ist die Prognose meist günstig.
2. Was ist das Besondere an dem jetzt aufgetretenen Influenzavirus A H1N1?
Humane Infektionen mit den bei Schweinen vorkommenden Influenzaviren A/H1N1 sind sehr selten. Die in Mexiko und den USA aufgetretenen Infektionen hängen nach Informationen der betroffenen Länder nicht unmittelbar mit dem Kontakt zu infizierten Schweinen zusammen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gab bekannt, dass es sich um ein neues Influenza A/H1N1 Virus handelt, das bisher weder bei Menschen noch beim Schwein festgestellt wurde. Das Virus kann bereits vor einiger Zeit auf den Menschen übergegangen sein und sich dann so verändert haben, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Das besondere bei den jetzt auftretenden Infektionen des Menschen ist, dass das Virus genetisch zu Influenzaviren beim Schwein verwandt ist, eine derartige Genkonstellation aber bisher nicht aufgetreten ist. Offenbar unterscheidet sich das Virus deutlich von den ansonsten bei Menschen zirkulierenden Influenzaviren. Zudem wird es den diagnostizierten Fällen zufolge effektiv von Mensch zu Mensch übertragen. Diese Eigenschaft zeigt das in den vergangenen Jahren viel zitierte Virus der 'Vogelgrippe' (Influenzavirus A/H5N1) bislang nicht.
3. Welche Rolle spielen Schweine bei der Übertragung?
Influenza ist in deutschen Schweinebeständen weit verbreitet. In über 92% der Schweinebestände können Antikörper gegen mindestens einen der untersuchten Influenza Subtypen (H1N1, H1N2, H3N2) nachgewiesen werden, wobei häufig auch Infektionen mit mehreren Influenza-Subtypen vorkommen.
Influenzaviren bei Schweinen werden vor allem durch engen Kontakt untereinander und möglicherweise auch durch kontaminierte Gegenstände, die mit infizierten Schweinen in Berührung gekommen sind, übertragen.
Auch das Einbringen von infizierten Tieren in nicht geimpfte Bestände führt zu Ausbrüchen. Gegen die bekannten drei Subtypen der Influenzaviren beim Schwein wird intensiv geimpft. Bei geimpften Tieren kommt es nur sporadisch zu Erkrankungen. Meist werden bei immunisierten Tieren nur geringe oder gar keine Symptome beobachtet.
Die Erkrankung wird oft durch latent infizierte Tiere in einem Bestand eingeschleppt. Nach Vermehrung des Erregers im Respirationstrakt wird er über das Nasensekret ausgeschieden und auf aerogenem Weg über Kontakt von Schwein zu Schwein weiterverbreitet. Bereits zwei Stunden nach der Infektion ist der Erreger in den Zellen des Bronchialepithels nachweisbar.
Die Verbreitung des Virus erfolgt über Tröpfcheninfektion hauptsächlich über die Luft. Der Erreger vermehrt sich im Lungengewebe und infizierte Tiere scheiden das Virus über das Nasensekret aus. Die Aufnahme erfolgt über den Nasen-Rachenraum. Innerhalb weniger Tage sind nahezu alle Tiere eines Bestandes infiziert.
Durch den Tierhandel kann eine Verbreitung der Infektion von Bestand zu Bestand erfolgen.
Der jetzt neu aufgetretene Erreger ist bisher ausschließlich beim Menschen beobachtet worden. Ob er noch in der Lage ist, Schweine zu infizieren, ist unbekannt.
4. Können auch Haustiere z.B. Hunde und Katzen an dem Virus erkranken?
Bei keiner in der Vergangenheit bei Hunden und Katzen durchgeführten Untersuchung wurden Antikörper gegen Influenzaviren des Subtyps H1 gefunden. Zum momentanen Zeitpunkt gibt es ebenfalls keinerlei Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen empfänglich für das neue Influenzavirus sind.
5. Kann man noch Schweinefleisch essen?
Auch wenn davon ausgegangen wird, dass die Infektion initial von Schweinen auf den Menschen übergegangen ist, sind bislang weder auf dem Amerikanischen Kontinent noch in anderen Ländern Infektionen bei Schweinen mit diesem Virus festgestellt worden.
Es besteht daher kein Anlass auf den Verzehr von Schweinefleisch zu verzichten.
6. Was passiert, wenn in Deutschland Fälle auftreten?
Informationen zu Humaninfektionen sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.
7. Gibt es die Schweine-Influenza bei Schweinen in Deutschland?
Die hohe Seroprävalenz in deutschen Schweinebeständen spricht dafür, dass alle drei bekannten Subtypen von Influenzaviren beim Schwein (H1N1, H3N2, H1N2) vorkommen. Bei den Isolierungen werden H1N1 und H3N2 gleich häufig isoliert, etwas weniger H1N2.
Für Schweine stehen verschiedene inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung. Erkrankte Schweine können mit Medikamenten gegen auftretende Symptome wie Fieber behandelt werden.
Für Menschen gibt es noch keinen Impfstoff, der spezifisch gegen eine Infektion mit diesem neuen Erreger schützt.
Ob nach Infektion mit beim Menschen zirkulierenden H1N1-Viren oder nach Impfung mit Impfstoffen, die diese Viren in abgetöteter Form enthalten, zumindest eine teilweise Immunität auch gegen diesen neuen Erreger erzeugt werden kann, ist derzeit unklar.
8. Ist man für den Ausbruch der Krankheit bei Menschen ausreichend vorbereitet?
In Deutschland gibt es einen Pandemieplan, der federführend vom hierfür zuständigen
Robert Koch-Institut (http://www.rki.de) in Absprache mit den Bundesländern erstellt wurde. Bund und Länder können gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen einleiten und Empfehlungen aussprechen.
Friedrich-Loeffler-Institut 29.04.2009